Sonstige Tests

Kappa-Kasein

Neben der eigentlichen Milchleistung spielen in der modernen Milcherzeugung auch die qualitativen Eigenschaften der Milch eine besondere Rolle. So ist z.B. die Zusammensetzung der Milchproteine von erheblicher Bedeutung für die weitere Milchverarbeitung. Insbesondere die Käsereitauglichkeit der Milch ist stark abhängig von der Milchzusammensetzung.

Das Kappa-Kasein-Gen beeinflusst verschiedene Qualitätsmerkmale der Milch wie Gerinnungszeit, Hitzestabilität, Geschmackseigenschaften und Käseausbeute. Dabei zeigt sich die Kappa-Kasein Variante B als besonders vorteilhaft für weitere Verarbeitungsprozesse.

Die verschiedenen Genvarianten unterscheiden sich lediglich durch Punktmutationen voneinander, die mittels Gentest bestimmt werden können.

Zwickentest / Geschlechtsbestimmung
Zwicken oder Freemartins treten beim Rind in etwa 90-95% der Zwillingsträchtigkeiten mit zweieiigen getrenntgeschlechtlichen Zwillingen auf.
Im Fall von Mehrlingsträchtigkeiten beim Rind sind die Plazenten der Feten nicht vollständig getrennt, sondern stehen vielmehr über Gefäßanastomosen miteinander in Verbindung. Über diese Gefäßverbindungen findet ein Austausch von Blutstammzellen und sog. H-Y-Antigen statt, der beim weiblichen Fetus zur Unterentwicklung des weiblichen Genitale und damit zur Zwickenbildung führt. Die Virilisierung (= Vermännlichung) des weiblichen Zwillingspartners kann dabei deutlich variieren, so dass die unfruchtbaren weiblichen Tiere äußerlich oftmals nicht eindeutig zu erkennen sind. Mittels molekulargenetischem Test lässt sich der XX/XY-Chimärismus jedoch sicher diagnostizieren.

Bitte beachten: Für die Durchführung des Zwickentests ist eine Blutprobe unbedingt erforderlich.

Daneben bietet der molekulargenetische Test die Möglichkeit zur Geschlechtsbestimmung in Rindfleischproben und erlaubt so eine Überprüfung der Deklaration von Fleisch(-produkten) nach der Zerlegung.

Beta-Kasein*
Der größte Bestandteil des Milcheiweißes ist das sogenannte Beta Kasein. Dieses aus 209 Aminosäuren zusammengesetzte Eiweiß kommt in unterschiedlichen Varianten vor. Darunter sind die beiden Wichtigsten die Varianten Beta Kasein A1 und Beta Kasein A2, die sich lediglich in einer einzigen Aminosäure an Position 67 (Beta Kasein A2: Prolin; Beta Kasein A1: Histidin) unterscheiden. Bei der Eiweißvariante A2 handelt es sich sehr wahrscheinlich um die ursprüngliche Form bei Wiederkäuern, da auch Büffel, Zebus und Ziegen ausschließlich Beta Kasein A2 Milch liefern. Die A1-Variante hingegen dürfte zufällig entstanden sein. Unter anderem aufgrund ihres unterschiedlichen Verhaltens während des Verdauungsvorgangs (die Aminosäurekette der A2 Eiweiße bleibt intakt, wohingegen die der A1 Eiweiße aufgespalten wird) wird der sogenannten A2-Milch eine bessere Verträglichkeit bei Milchallergien zugeschrieben. Daneben gibt es Berichte, die der A2-Milch weitere positive Effekte wie vorbeugende Wirkung gegen Diabetes Typ 1, Herzerkrankungen und Psychosen bescheinigen.

Ob ein Tier die Erbanlagen für die Bildung von A1 und/oder A2 Eiweiß trägt, kann per gendiagnostischem Test bestimmt werden. Dabei werden über einen vereinfachten Test die beiden Klassen A1 (= A1, B, C) bzw. A2 (= A2, A3, D, E und H) differenziert.

* Durchführung durch Partnerlabor

Hornlosigkeit
In modernen Rinderhaltungssystemen gewinnt die Hornlosigkeit (Polled) mehr und mehr an Bedeutung. Die große Mehrzahl der Rinder wird heute deshalb bereits in den ersten Lebenswochen enthornt. Auch wenn die gesetzlichen Bestimmungen derzeit das Entfernen der Hornanlagen bei Kälbern bis zu einem Alter von 6 Wochen noch ohne Betäubung zulassen, wird dieser schmerzhafte und das Tier belastende Eingriff kontrovers diskutiert. Insbesondere seit Untersuchungen Vorbehalte hinsichtlich möglicher Leistungseinbußen in genetisch hornlosen Linien weitgehend ausgeräumt haben, bietet der gezielte Zuchteinsatz genetisch hornloser Tiere eine rentable und tierfreundliche Alternative zu bisher praktizierten Verfahren und erlaubt darüber hinaus den Aufbau reinerbig hornloser Herden. Eigene Forschungsergebnisse ermöglichen seit geraumer Zeit eine sichere Bestimmung des Hornstatus per gendiagnostischem Test (einschließlich einer Differenzierung zwischen Hornlosigkeit keltischen oder friesischen Ursprungs).

Bitte beachten: Dieser Test erlaubt keine Aussage zur genetischen Disposition für Wackelhörner (Scurs) und wurde nicht für Buckelrinder validiert.

Muskuläre Hypertrophie (Doppellender)
Muskuläre Hypertrophie beim Rind, auch genannt „Doppellender“ ist ein Merkmal mit heterogener Herkunft und Ausprägungsform.
Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse werden derzeit mindestens neun verschiedene Mutationen im bovinen Myostatin Gen unterschieden, die alle zur muskulären Hypertrophie beim Rind führen. Nicht alle bekannten Mutationen sind auch in allen von Muskelhypertrophie betroffenen Rinderrassen verbreitet.
Sechs als disruptiv deklarierte Mutationen (C313Y, nt419, E226X, nt821, E291X und Q204x) führen zur Muskelhypertrophie, höherem Geburtsgewicht und daraus resultierend zu erschwerten Geburten aber auch zu einer verbesserten Zartheit des Fleisches. Die sogenannten Missense-Varianten hingegen erhöhen den Grad der Bemuskelung, reduzieren externes und intramuskuläres Fett zeigen aber keinen Einfluss auf das Geburtsgewicht.

Derzeit bietet GeneControl den Test auf die disruptive Variante nt821 an. Diese, bei der Rasse Weissblaue Belgier genetisch fixierte Mutation, tritt auch in den Rassen Piemontese, Angus und Limousin auf und ist hier ein meist unerwünschtes Merkmal.

Anleitung zur Probennahme
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Untersuchungsantrag Rind
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